Psyche & Gesundheit

Was wir über Zucker falsch verstehen: Fünf Mythen im Faktencheck

Kaum ein Lebensmittel ist so verteufelt wie Zucker. Doch viele gängige Überzeugungen – von der Zucker-Abhängigkeit bis zur Fruchtzucker-Unbedenklichkeit – halten einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Ein Faktencheck.

Bunte frische Lebensmittel auf einem Tisch

Nicht alles, was süß ist, ist gleich schädlich – und nicht jede Anti-Zucker-Strategie funktioniert so, wie wir denken. Foto: Unsplash

Zucker ist das Böse. Diese Botschaft hat sich in den letzten Jahren so tief in unser Bewusstsein eingegraben, dass kaum jemand sie mehr hinterfragt. „No Sugar"-Challenges, Zuckerfasten, zuckerfreie Ernährungspläne – die Anti-Zucker-Industrie boomt. Doch was sagt die Wissenschaft wirklich? Wir haben fünf der hartnäckigsten Mythen geprüft.

Mythos 1: Zucker macht süchtig wie eine Droge

Der Vergleich ist verlockend: Wir greifen immer wieder zum Schokoriegel, obwohl wir es uns vorgenommen haben, es zu lassen. Muss das nicht Sucht sein? Tatsächlich zeigen Hirnscans, dass Zucker ähnliche Belohnungszentren aktiviert wie Substanzen, die als suchterzeugend gelten. Doch der entscheidende Unterschied: Menschen entwickeln keine klinische Abhängigkeit von Zucker – keine Toleranz, die immer größere Mengen erfordert, keine körperlichen Entzugserscheinungen im medizinischen Sinne.

„Wir mögen Zucker intensiv und kehren gerne zu ihm zurück. Aber das ist konditioniertes Verhalten, keine Sucht", erklärt Ernährungspsychologin Dr. Sabine Wenzel von der Universität Göttingen. Wer aufhört, täglich Schokolade zu essen, leidet nicht wie ein Nikotinabhängiger – selbst wenn es sich subjektiv so anfühlt.

Mythos 2: Fruchtzucker ist unbedenklich, weil er natürlich ist

„Natürlich" klingt gut – ist aber kein Freifahrtschein. Fruchtzucker (Fructose), wie er in Obst vorkommt, ist im ganzen Stück in Ordnung: Die Ballaststoffe verlangsamen die Aufnahme, und die Mengen sind überschaubar. Problematisch wird es beim industriell zugesetzten Fructose-Sirup in Limonaden, Fertigprodukten und Säften. Dieser wird in der Leber anders verarbeitet als Glukose und kann bei übermäßigem Konsum zur Fettleber beitragen.

Mythos 3: Eine Zuckerdiät hilft beim Abnehmen

Wer Zucker weglässt, nimmt ab – dieser Gedanke klingt logisch. Und tatsächlich gelingt es vielen Menschen kurzfristig, Gewicht zu verlieren, wenn sie auf Zucker verzichten. Der Grund: Sie essen automatisch weniger verarbeitete Lebensmittel und greifen zu nährstoffreicheren Alternativen. Doch Studien zeigen, dass nach sechs bis zwölf Monaten der Unterschied zu anderen kalorienreduzierten Diäten verschwindet. Was zählt, ist die Gesamtkalorienbilanz, nicht allein der Zuckerverzicht.

Zudem birgt das strikte Verbieten von Zucker ein Risiko: den sogenannten Verbots-Effekt. Je mehr wir uns etwas verbieten, desto attraktiver wird es. Viele Menschen, die eine strikte Zuckerdiät beginnen, enden nach wenigen Wochen in einem Kreislauf aus Verzicht und Überkonsum.

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