Zucker ist das Böse. Diese Botschaft hat sich in den letzten Jahren so tief in unser Bewusstsein eingegraben, dass kaum jemand sie mehr hinterfragt. „No Sugar"-Challenges, Zuckerfasten, zuckerfreie Ernährungspläne – die Anti-Zucker-Industrie boomt. Doch was sagt die Wissenschaft wirklich? Wir haben fünf der hartnäckigsten Mythen geprüft.
Mythos 1: Zucker macht süchtig wie eine Droge
Der Vergleich ist verlockend: Wir greifen immer wieder zum Schokoriegel, obwohl wir es uns vorgenommen haben, es zu lassen. Muss das nicht Sucht sein? Tatsächlich zeigen Hirnscans, dass Zucker ähnliche Belohnungszentren aktiviert wie Substanzen, die als suchterzeugend gelten. Doch der entscheidende Unterschied: Menschen entwickeln keine klinische Abhängigkeit von Zucker – keine Toleranz, die immer größere Mengen erfordert, keine körperlichen Entzugserscheinungen im medizinischen Sinne.
„Wir mögen Zucker intensiv und kehren gerne zu ihm zurück. Aber das ist konditioniertes Verhalten, keine Sucht", erklärt Ernährungspsychologin Dr. Sabine Wenzel von der Universität Göttingen. Wer aufhört, täglich Schokolade zu essen, leidet nicht wie ein Nikotinabhängiger – selbst wenn es sich subjektiv so anfühlt.
Mythos 2: Fruchtzucker ist unbedenklich, weil er natürlich ist
„Natürlich" klingt gut – ist aber kein Freifahrtschein. Fruchtzucker (Fructose), wie er in Obst vorkommt, ist im ganzen Stück in Ordnung: Die Ballaststoffe verlangsamen die Aufnahme, und die Mengen sind überschaubar. Problematisch wird es beim industriell zugesetzten Fructose-Sirup in Limonaden, Fertigprodukten und Säften. Dieser wird in der Leber anders verarbeitet als Glukose und kann bei übermäßigem Konsum zur Fettleber beitragen.


