Wir haben in einem Aufruf auf unserer Website gefragt: „Bist du schon mal krank zur Arbeit gegangen – und warum?" Innerhalb von drei Tagen haben uns 517 Menschen geantwortet. Die Antworten waren ehrlicher, als wir erwartet hatten.
Am häufigsten genannter Grund: Angst. Nicht vor dem Vorgesetzten – auch wenn der vorkommt –, sondern vor dem Berg an Arbeit, der wartet. „Ich weiß, dass ich nach drei Tagen Krankheit eine Woche nachholen muss. Das ist es nicht wert", schreibt eine Vertriebsmitarbeiterin aus Hamburg, 34. Ein Projektmanager aus München, 41, formuliert es noch direkter: „Ich kann es mir schlicht nicht leisten, krank zu sein."
Das ist der Kern des Präsentismus-Problems: Es geht nicht um individuelle Schwäche oder mangelndes Verantwortungsbewusstsein sich selbst gegenüber. Es geht um Strukturen, die krank sein teuer machen – finanziell, sozial und karrieretechnisch. In vielen Unternehmen wird Anwesenheit noch immer mit Leistung gleichgesetzt, obwohl die Forschung längst gezeigt hat, dass das das Gegenteil bewirkt.


