Es ist ein Dienstagabend im März, und fünf Menschen sitzen um einen Tisch in Münster. Jonas, 29, hat seinen Blindenstock an die Wand gelehnt. Miriam, 31, rangiert ihren Elektrorollstuhl ans Tischende. Leyla, 28, lacht so laut über irgendetwas, dass die Nachbartische kurz herüberschauen. Felix und Tobias, beide 30, diskutieren lauthals darüber, wer das letzte Mal beim Bowling besser war.
Es könnte eine gewöhnliche Runde von Freunden sein. Und genau darum geht es: Es ist eine gewöhnliche Runde von Freunden. Fünf Menschen, die sich seit der inklusiven Gesamtschule kennen, die gemeinsam Abitur gemacht haben, die sich durch Studium, Umzüge und Lebenskrisen begleitet haben. Dass drei von ihnen Behinderungen haben, die im Alltag regelmäßig sichtbar werden, ist für die Gruppe längst selbstverständlich.
„Ich habe die Frage, ob wir ‚Inklusion leben', noch nie so gestellt", sagt Jonas. „Wir sind einfach Freunde. Das war von Anfang an so." Er lacht kurz. „Okay, nicht ganz von Anfang an. Am ersten Schultag hat mich jemand aus Versehen mit seinem Ranzen umgeworfen. Das war Tobias. Wir sind seitdem beste Freunde."


