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Wie fünf Freunde zeigen, dass echte Inklusion möglich ist

Jonas ist blind. Miriam sitzt im Rollstuhl. Leyla hat eine Lernschwäche. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist ihre Freundesgruppe die engste, die man sich vorstellen kann. Eine Geschichte über Freundschaft, Barrieren und das, was zählt.

Diverse Gruppe von Freunden zusammen im Park

Echte Inklusion entsteht nicht durch Konzepte oder Programme – sondern durch Menschen, die aufeinander zugehen. Foto: Unsplash

Es ist ein Dienstagabend im März, und fünf Menschen sitzen um einen Tisch in Münster. Jonas, 29, hat seinen Blindenstock an die Wand gelehnt. Miriam, 31, rangiert ihren Elektrorollstuhl ans Tischende. Leyla, 28, lacht so laut über irgendetwas, dass die Nachbartische kurz herüberschauen. Felix und Tobias, beide 30, diskutieren lauthals darüber, wer das letzte Mal beim Bowling besser war.

Es könnte eine gewöhnliche Runde von Freunden sein. Und genau darum geht es: Es ist eine gewöhnliche Runde von Freunden. Fünf Menschen, die sich seit der inklusiven Gesamtschule kennen, die gemeinsam Abitur gemacht haben, die sich durch Studium, Umzüge und Lebenskrisen begleitet haben. Dass drei von ihnen Behinderungen haben, die im Alltag regelmäßig sichtbar werden, ist für die Gruppe längst selbstverständlich.

„Ich habe die Frage, ob wir ‚Inklusion leben', noch nie so gestellt", sagt Jonas. „Wir sind einfach Freunde. Das war von Anfang an so." Er lacht kurz. „Okay, nicht ganz von Anfang an. Am ersten Schultag hat mich jemand aus Versehen mit seinem Ranzen umgeworfen. Das war Tobias. Wir sind seitdem beste Freunde."

Was sie anderen gelernt haben

Doch so einfach ist es natürlich nicht immer. Miriam erzählt, wie oft Restaurants und Veranstaltungsorte schlicht nicht zugänglich sind. „Die Gruppe hat ein unausgesprochenes Prinzip entwickelt: Wenn ein Ort nicht für mich zugänglich ist, gehen wir woanders hin. Keine Diskussion, kein Schulterzucken." Das klingt selbstverständlich – ist aber in der Praxis selten.

Leyla, die mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche aufgewachsen ist und heute als Grafikdesignerin arbeitet, erinnert sich an die Schulzeit als prägend. „Die Lehrer haben meine Schwäche lange nicht erkannt. Was mir geholfen hat, waren nicht die Förderstunden – es war Jonas, der mir jeden Abend am Telefon beim Lesen von Texten geholfen hat." Jonas schüttelt den Kopf. „Ich hab dir nichts geholfen. Du hast mir die Bilder beschrieben, die ich nicht sehen konnte. Das war kein Helfen. Das war Tauschen."

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