Es passiert meist abends. Man liegt im Bett, scrollt durch die Nachrichten und sieht plötzlich ein Foto einer Freundin – Geburtstag, Party, alle da. Außer einem selbst. Man hat nicht mal gratuliert. Und dann kommt dieses Gefühl: Ich bin eine furchtbare Freundin. Ich melde mich nie. Ich bin immer zu beschäftigt.
Dieses Gefühl ist so verbreitet, dass Sozialpsychologin Dr. Katrin Mayer von der Universität Hamburg ihm einen eigenen Begriff gegeben hat: „Friendship Guilt" – Freundschaftsschuld. „Es ist eines der am häufigsten beschriebenen Schuldgefühle im Erwachsenenleben", sagt sie. „Und es ist in den meisten Fällen unverhältnismäßig." Das bedeutet: Das Gefühl stimmt nicht mit der Realität überein.
Warum glauben so viele Menschen, schlechte Freunde zu sein? Und vor allem: Warum trifft das Frauen häufiger als Männer? Eine Studie der Universität Bonn aus dem Jahr 2024 zeigte, dass Frauen sich im Durchschnitt dreimal so häufig als unzureichend in Freundschaften beschreiben wie Männer – obwohl sie im Schnitt mehr Zeit und emotionale Energie in Freundschaften investieren.


