Kinder & Bildung

Das finnische Bildungswunder: Was Deutschland wirklich davon lernen könnte

Weniger Hausaufgaben, kein Leistungsdruck bis zur Sekundarstufe, hoch angesehene und gut ausgebildete Lehrkräfte – und trotzdem gehört Finnland seit Jahren zur Weltspitze in den PISA-Tests. Was macht das Land im Norden so anders? Und was davon lässt sich auf Deutschland übertragen?

Verschneite Landschaft in Finnland mit kleiner Schule

Finnlands Bildungssystem gilt weltweit als Vorbild – dabei basiert es auf Prinzipien, die Deutschland einst selbst entwickelt hat. Foto: Unsplash

In Finnland beginnt die Schulpflicht erst mit sieben Jahren. Bis dahin spielen Kinder – strukturiert, aber frei. Es gibt keine Ziffernnoten in der Grundschule, keine Klassenwiederholungen, keine standardisierten Tests bis zur neunten Klasse. Und trotzdem – oder gerade deshalb – belegt Finnland in den PISA-Ranglisten regelmäßig Spitzenplätze, während Deutschland im Mittelfeld feststeckt.

Das sei kein Zufall, sagen Bildungsforscher. Es ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen, konsequenten Bildungsreform, die in den 1970er Jahren begann und die einen Kernglaubenssatz hat: Alle Kinder können lernen – wenn man ihnen die richtigen Bedingungen schafft.

„Finnland hat begriffen, dass Bildung kein Wettbewerb ist", sagt Dr. Hannelore Becker, Vergleichende Bildungsforscherin an der Humboldt-Universität Berlin. „Das Ziel ist nicht, die Besten herauszufiltern. Das Ziel ist, alle mitzunehmen." Dieser Grundsatz prägt alles: von der Lehrerausbildung bis zur Unterrichtsgestaltung, von der Schularchitektur bis zur Pausenkultur.

Lehrer als Elite – nicht als Lückenbüßer

Der vielleicht wichtigste Unterschied: das Ansehen und die Ausbildung der Lehrkräfte. In Finnland ist der Lehrerberuf eines der angesehensten Berufsfelder überhaupt. Die Aufnahmequoten an Pädagogikstudiengängen liegen bei etwa zehn Prozent – ähnlich wie an Medizinschulen. Wer Lehrer wird, hat sich gegen harte Konkurrenz durchgesetzt und genießt dafür gesellschaftliche Wertschätzung, gutes Gehalt und große Autonomie im Unterricht.

In Deutschland sieht das anders aus. Der Lehrerberuf kämpft mit Nachwuchsmangel, gesellschaftlicher Geringschätzung und einem System, das Lehrkräften wenig Spielraum lässt. „Wir verlangen von Lehrern Außerordentliches, behandeln sie aber wie Verwaltungsangestellte", kritisiert Bildungswissenschaftler Prof. Klaus Zierer von der Universität Augsburg.

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