In Finnland beginnt die Schulpflicht erst mit sieben Jahren. Bis dahin spielen Kinder – strukturiert, aber frei. Es gibt keine Ziffernnoten in der Grundschule, keine Klassenwiederholungen, keine standardisierten Tests bis zur neunten Klasse. Und trotzdem – oder gerade deshalb – belegt Finnland in den PISA-Ranglisten regelmäßig Spitzenplätze, während Deutschland im Mittelfeld feststeckt.
Das sei kein Zufall, sagen Bildungsforscher. Es ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen, konsequenten Bildungsreform, die in den 1970er Jahren begann und die einen Kernglaubenssatz hat: Alle Kinder können lernen – wenn man ihnen die richtigen Bedingungen schafft.
„Finnland hat begriffen, dass Bildung kein Wettbewerb ist", sagt Dr. Hannelore Becker, Vergleichende Bildungsforscherin an der Humboldt-Universität Berlin. „Das Ziel ist nicht, die Besten herauszufiltern. Das Ziel ist, alle mitzunehmen." Dieser Grundsatz prägt alles: von der Lehrerausbildung bis zur Unterrichtsgestaltung, von der Schularchitektur bis zur Pausenkultur.


